28. 05. 2017

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Haus der Generationen

In meiner Rolle als kantonaler Jugendbeauftragter durfte ich durch die letztjährigen Herbstkonferenz der kommunalen Kinder- und Jugendbeauftragten des Kantons Zürich zum Thema Öffentlicher Raum führen. Gefordert wurde von den Beauftragten Folgendes:- Gleiche Rechte und Pflichten für alle Nutzer/innen des öffentlichen Raumes - Keine Lärmklagen gegen spielende Kinder - Kinder- und Jugendarbeit müsse fester Bestandteil der Stadt- und Quartierentwicklung sein wenn es um die Gestaltung des öffentlichen Raumes geht.

Müesli Schweizerflagge
Bild: Andrey Fedorchenko

Vor allem die Forderung, Kinderlärm unter Schutz zu stellen, hat medial grosse Wellen (in der Romandie mehr als in der deutschsprachigen Schweiz, ((Dokument)) geschlagen. Die Freiräume im öffentlichen Raum für Kinder und Jugendliche sind zunehmend bedroht. Dabei geht es nicht nur um physische Plätze, sondern auch das Verständnis und die Akzeptanz für das Aufhalten von Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum.

Der Öffentliche Raum ist ein wichtiger und zentraler Lernraum, jedoch nicht nur für Kinder und Jugendliche. Bildung, im Sinne eines nimmer aufhörenden Prozesses ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und findet überall statt. Nur wird sie nicht überall als Bildung er- und anerkannt. Gerade im öffentlichen Raum nicht. Dabei werden gerade im öffentlichen Raum Grundlagen für das Verständnis demokratischen Zusammenlebens gelernt. Parks, Spielplätze und Bahnhöfe als Lernräume demokratischer Gesellschaftsordnung sollten daher unbedingt erhalten bleiben und zwar für alle.

Die Sonntagskolumne der SonntagsZeitung vom 9. Dezember 2012 - später auch auf Spiegel-Online publiziert - brachte dann auch endlich das wahre Problem, bzw. die eigentliche gesellschaftliche Herausforderung an den Tag: „Kinder, Frauen, Homosexuelle, Alte, die am Samstag einkaufen, sind Opfer, denen wir, normal vom Leben geprügelt, gegenüber treten können. (...) wir alle hocken auf dem selben Planeten (...)“

Aus meiner Zeit als Jugendarbeiter mag ich mich an Team-Diskussionen erinnern, wo wir uns Überlegungen gemacht haben, keine Hip-Hop-Parties mehr zu veranstalten, da sie tendenziell zu Konflikten führen. Wir brauchten lange bis wir begriffen haben, dass nicht die Hip-Hop-, sondern unsere fehlende Konflikt-Kultur das eigentliche Problem ist.

Ich schlage allen Organisationen die sich der gesellschaftlichen Kohäsion verschrieben haben, vor, versucht zu sein, nach Wegen zu suchen, auf die Bedürfnisse derer die nicht gehört werden (da politisch nicht relevant- bzw. da nicht stimmberechtigt) aufmerksam zu machen, ohne den gesamtgesellschaftlichen Kontext aus den Augen zu verlieren. Und unsere Politik muss bemüht sein, zuzulassen, dass wir aus Konflikten lernen können. Die Bevölkerung der Schweiz wächst und wird bunter. Längerfristig wird es nicht zu verantworten sein, gesellschaftliche Konflikte durch Separation, indem wir allen separate Häuser bauen, zu lösen. Das Zusammenleben kann nur in einem und einzigen Haus der Generationen gelernt sein – dem öffentlichen Raum.


PDF-ICON Artikel zum Thema - Le Matin Dimanche (PDF)